NDR Radiophilharmonie hautnah | Lauschangriff

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NDR Radiophilharmonie, Hannover, Förderkreis
Joachim Werren - 1. Vorsitzender der "Freunde & Förderer der NDR Radiophilharmonie" begrüßt Musiker und Mitglieder zum ersten "Meet and Great"

Hand auf´s Herz - wer mag es schon, wenn einem bei der Arbeit zugeschaut wird. "Mithelfen oder Weitergehen", rufen wir gern dem "Voyeur" zu, insbesondere dann, wenn wir noch nicht perfekt in der Ausführung sind.

 

Deshalb ist es ein Privileg, dass die "Freunde & Förderer der NDR Radiophilharmonie" den Musikern der NDR Radiophilharmonie bei ihrer Probenarbeit zuhören dürfen.

 

Weit über hundert Mitglieder des in diesem Jahr neu gegründeten Förderkreises sind der Einladung zum ersten "Meet and Greet" mit dem Orchester gefolgt und besonders gespannt auf den persönlichen Austausch mit den Orchestermusikern. Aber vor dem Vergnügen kommt die Arbeit!

Heute abend steht die Fortsetzung der Probenarbeit an der 6. Sinfonie von Sibelius auf dem Plan. Über deren Aufführung - einige Tage später - wird Stefan Arndt in der HAZ schreiben, dass das Orchester sie "engagiert und detailscharf zum Klingen bringt".

Aber welche Vorbereitung steckt dahinter, damit Publikum und Kritiker

zufriedengestellt werden?

NDR Radiophilharmonie, Hannover, Manze
Andrew Manze bei der Probenarbeit

"Wir haben stets zu wenig Zeit" (für dir Probenarbeit), bedauert Andrew Manze einleitend, und gibt dem Förderkreis dennoch ein paar Hintergrundinformationen. Danach muß man sich Sibelius (gilt als finnischer Nationalkomponist) als einen eher introvertierten Menschen vorstellen, dessen Kompositionen u.a. in einem abgeschiedenen, von der wirtschaftlichen Depression gekennzeichneten Finland der 1920er Jahre entstanden. Nachdem er vom finnischen Staat eine Ehrenpension auf Lebenszeit erhielt, veröffentlichte er kein Werk mehr.

 

"Don´t pay the musicians", ergänzt Manze daraufhin trocken.

 

Sibelius hatte in Deutschland lange Zeit einen schweren Stand, erzählt Manze weiter, nachdem Adorno 1936 in seiner "Glosse über Sibelius" ätzte, in der Musik des Finnen klänge zwar "alles Einzelne alltäglich und vertraut", die Motive aber seien in einen sinnlosen Zusammenhang gebracht". "The most worse music in the world", schlossen sich andere Kritiker Theodor W. Adorno an, erläutert Manze auch auf seinem Video-Blog. Heute wird Sibelius als hochaktueller Komponist geschätzt - wen haben wir nicht schon alles in diesem Land unterschätzt?

Jetzt muß aber endlich geprobt werden. Manze ist heute "verkabelt", so dass wir die Kommunikation mit seinen Orchestermusikern gut verfolgen können. Wir erleben keinen "Debattierclub", keinen basis-demokratischen Stuhlkreis. Manze dirigiert, hört zu und erklärt dann einzelnen Stimmgruppen, wie er sich die Interpretation von Sibelius wünscht.

 

Schon die Unterschiedlichkeit im Anfang klingt selbst für mich als Laien frappierend:

 

Im ersten Durchlauf klingt Sibelius romantisch, schön, fast wohlgefällig; nach Manze´s Korrekturen viel ernster, melancholischer.

 

Was für ein Effekt!

Und so geht es weiter.

Manze spricht von einem "stream of consciosness" (Bewußtseinsstrom) -

 

"we follow an idea, we don´t create it".

 

Er singt und summt die gewünschten Tempi und Crescendos vor, will einen anderen Akzent der Violinen und bestätigt den Oboen, dass sie den Unterschied für den Sound ausmachen. Selbst am Pizzicato wird gefeilt und mir scheint es, als ob er großen Wert auf die Übergänge von den lauten zu den leisen Passagen legt, die im Publikum ganz besonders wahrgenommen werden. Plötzlich kommt Unruhe auf in den hinteren Reihen der Violinen. Ein vorgezogenes Pausengespräch? Natürlich nicht! Es scheint einen Fehler in der Partitur zu geben - fehlt gar eine Note? In jeder Managementliteratur wird empfohlen, gute Lösungen der Mitarbeiter sofort zu honorieren; "Take a rest the week off", kommt es prompt vom Podium. "Three barrs before P", wird die Probenarbeit fortgesetzt und bald auf morgen vertagt.


NDR Radiophilharmonie, Hannover,
Musiker der NDR Radiophilharmonie spielen zur Begrüßung der "Freunde & Förderer"

Denn heute abend freuen wir uns auf das erste persönliche Kennenlernen mit den Orchestermusikern. Mit einem Gläschen in der Hand erfahre ich so manches Wissenswerte: Nicht nur das Konzertpublikum schaut sich die Orchestermusiker an,

 

auch die Orchestermusiker beobachten vor Konzertbeginn aufmerksam die Zuschauer.

 

Wirken sie gelangweilt, spielen sie mit ihren Handys oder ist eine freudige Erwartungshaltung spürbar? Liebes Konzertpublikum, unsere Körpersprache hat also einen Einfluß auf das Gelingen des Abends!

Vom Cellisten Carsten Jaspert erfahre ich viel über die Joseph-Joachim-Akademie und über die Ängste der jungen Musiker beim Vorspielen. Auch in diesem Kontext wird es eine Unterstützung durch den Förderkreis geben. Ein rundum gelungener Abend endet natürlich mit Musik.

ndr radiophilharmonie | lasst uns freunde werden!

Unter diesem Motto bieten die "Freunde & Förderer der NDR Radiophilharmonie" die seltene Gelegenheit zu hautnahen Einblicken in die Arbeit eines Orchesters. Ich bin schon sehr gespannt auf die verschiedenen Aktivitäten und wir haben schon einmal vorausschauend im Wohnzimmer Platz gemacht für das zu verlosende Hauskonzert mit Musikern der NDR Radiophilharmonie - man weiss ja nie ...

Die "Freunde & Förderer der NDR Radiophilharmonie" haben sich sehr viel für ihre Mitglieder vorgenommen. Ich erzähle in meinem Blog, was wir so mit der NDR Radiophilharmonie in diesem Kreis erleben:

  • "Meet-and-Greet" mit dem Chefdirigenten Andrew Manze
  • Hör-Erlebnisplätze mitten im Orchester
    (Ich wollte schon immer mal erfahren, wie eigentlich ein Musiker im Orchester ein Stück wahrnimmt und wie er mit der Lautstärke auf Dauer zurechtkommt)
  • Probenbesuche mit Werkstattgesprächen
  • Blick hinter die Kulissen
  • Exklusive Live-CD und
  • besonderes Kartenvorkaufsrecht für ausgewählte Konzerte