Fragen an

Dieter Hadamitzky

schnell gelesen


Es gibt schon so viele Reiseblogs. Und jetzt wollen Sie auch noch mit Ihrem Blog das Internet verstopfen?

 

Keineswegs, da ist noch Platz. Ich habe mir zahlreiche andere, wirklich gut gemachte Blogs gründlich angesehen. Viele werden von jungen Leuten geschrieben und bilden die Reisegewohnheiten, Ziele und Erwartungen dieser Generation natürlich in deren Sprache ab. Ich gehöre der „Baby-Boomer“-Generation an und bin anders unterwegs, schreibe anders und wähle andere Ziele aus. Mit dem Segelschiff in die Antarktis fahren aus der ganzen Welt vielleicht dreihundert Menschen im Jahr. Dazu kommt mein ausgeprägtes Interesse für kulturelle Themen. Wer wissen möchte, wo er in der Elbphilharmonie am besten sitzt und hört, erhält von mir konkrete Tipps.


Ich gehöre der „Baby-Boomer“ - Generation an und bin anders unterwegs, schreibe anders und wähle andere Ziele aus als die junge Generation.


 

Also ein Blog für alte Leute?

Vorsicht – die Ü50 sind in der Mehrheit! Aber im Ernst, es wird eher ein Blog für Menschen, die individuell reisen, Qualität schätzen und gern auch etwas längere Texte lesen möchten – und das ist unabhängig vom Alter. Diesen Anspruch möchte ich mit der Bebilderung (ich komme von der Reisefotografie und zeige Multivisionsshows) und den sorgfältig recherchierten Texten einlösen. Darüber hinaus wird es immer wieder überraschende Abzweigungen und Vertiefungen in den Geschichten geben.


Es wird eher ein Blog für Menschen, die individuell reisen, Qualität schätzen und gern auch etwas längere Texte lesen möchten.


Geben Sie mir mal für die Abzweigungen in Ihren Geschichten ein Beispiel!

 

Liest man zum Beispiel meinen Beitrag „Schöne Gärten auf der RHS Chelsea Flower Show in London“, dann taucht neben den faszinierenden Gärten plötzlich eine Abzweigung zu den Veteranen der britischen Armee auf, die im gastgebenden Royal Hospital leben. Der Leser sieht in einem Video die bewegende Lebensschilderung eines Veteranen und kann – wenn er mag – selbst tiefer in das Thema einsteigen.

Durch meine Neugier stoße ich bei meinen Recherchen häufig auf solche Verästelungen zu überraschenden Geschichten, die ich anders vielleicht nie entdeckt hätte.


Durch meine Neugier stoße ich bei meinen Recherchen häufig auf Verästelungen zu überraschenden Geschichten.


 

Sie haben vorhin mit der Qualität Ihres Blogs ein wenig geprahlt. Gibt es denn auf Ihrer Seite auch etwas Innovatives?

 

Hm, ich beginne gerade damit, mich mit den Vorzügen des multimedialen Storytellings näher zu beschäftigen. Meine Geschichte „Abenteuer Antarktis – Mit dem Segelschiff in die Antarktis“ habe ich in diesem für private Anwender noch relativ frischen Format produziert. Es ist wirklich faszinierend, dem Leser unter-schiedliche Erzählstränge kombiniert mit Videos und Tondokumenten online und nicht nur in Multivisionsshows zu präsentieren.

 

Zukünftig werde ich auf Reisen noch mehr Wert darauf legen, unterwegs passendes Material einzufangen. Ich bin sehr gespannt auf die ersten Kommentare.


Es ist wirklich faszinierend, im multimedialen Storytelling unterschiedliche Erzählstränge kombiniert mit Videos und Tondokumenten online zu präsentieren.


Worauf kommt es Ihnen bei den ausgewählten Bildern an? Wie fotografieren Sie?

Ich fotografiere im Vollformat und im RAW-Dateiformat, ergänzt um einige wenige Smartphone-Aufnahmen. Aus der Analog-Fotografie kommend, versuche ich noch immer, von vornherein das "perfekte" Foto aufzunehmen. Über die Teilnahme an Foto-Workshops -zuletzt zur Portraitfotografie - will ich mich kontinuierlich weiterentwickeln.

Die Bilder sollen die Geschichte eigenständig weitererzählen und unterstützen. Die sorgfältig ausgewählten Fotos werden dann in Lightroom zurückhaltend entwickelt. Starke Bildbearbeitungen und Photoshop kommen dabei nicht zum Einsatz.


Ich fotografiere im Vollformat und im RAW-Dateiformat.

Die Bilder sollen die Geschichte eigenständig weitererzählen und unterstützen.

Photoshop kommt nicht zum Einsatz.


Ist denn die Tourismus-Industrie gar nicht an Ihrem Blog interessiert? Alles wirkt so clean!

 

Na ja, zum einen starte ich ja gerade erst. Zum anderen ist dieser Blog eine rein private, nicht kommerzielle Webseite und es wird auch zukünftig keine Werbung geben.

Es ist sicherlich ungewohnt für viele Leser keine "Packlisten", Kreditkartenhinweise und Empfehlungen für Unterkünfte zu finden. Ich möchte gern unabhängig, differenziert und auch kritisch schreiben können.

War nicht einmal die schlichte Bereitstellung von Informationen und der Austausch von Erfahrungen sogar die Ur-Idee des Internets gewesen? Heute sind auch Blogs weitgehend kommerzialisiert.


Dieser Blog ist eine rein private, nicht kommerzielle Webseite.


Aber mal ehrlich, sind Sie denn gar nicht an Bloggerreisen oder redaktionellen Werbeformaten interessiert?

Daran nicht, aber es wäre schon reizvoll, hier und da hinter die Kulissen schauen zu können. Für meine Berichte über die Elbphilharmonie wäre es natürlich sehr attraktiv, einer Orchesterprobe beiwohnen zu können oder anlässlich meines Reiseberichtes „Görlitz – Sehenswürdigkeiten einer geretteten Stadt“ mit den Stadtplanern zu sprechen – um nur einmal zwei Beispiele zu nennen. An solchen Dingen bin ich sehr interessiert; immer vorausgesetzt, ich kann darüber anschließend frei und unabhängig schreiben.


Es wäre schon reizvoll, hier und da hinter die Kulissen schauen zu können - immer vorausgesetzt, ich kann darüber anschließend frei und unabhängig schreiben.


Was ist denn nun wirklich Ihr Themenschwerpunkt? Meinen Sie wirklich, über alles schreiben zu können?

 

Tatsächlich habe ich lange überlegt, mich nur auf Reise- oder Kulturthemen zu fokussieren. Aber ist das wirklich trennscharf? Ist ein Spaziergang auf den „Floating Piers von Christo" nun eine Reise oder ein Kulturevent, oder beides? Sind die Hintergrundinformationen zum neuen Pierre Boulez Saal in Berlin und die angegliederte Barenboim-Said-Akademie schon ein politisches Thema?

 

Schlussendlich habe ich mich entschieden, meine Themen konsequent nach persönlichem Interesse auszuwählen. Ich unternehme auch keine Reisen, weil das Ziel "angesagt" und ein folgender Reisebericht somit attraktiv sein könnte. Jetzt baue ich darauf, dass möglichst viele Leser daran Ihren Spaß haben und daraus einen eigenen Nutzen ziehen können.


Schlussendlich habe ich mich entschieden, meine Themen konsequent nach persönlichem Interesse auszuwählen.


Haben Sie ein Motto für Ihren Blog?

„Was immer wir erinnern, wir haben es nicht gegoogelt, wir haben es erlebt.“ - ein Satz aus dem lesenswerten Roman „Am Rand“ von Hans Platzgumer. Eine atemraubende, fesselnde Lebensgeschichte.


„Was immer wir erinnern, wir haben es nicht gegoogelt, wir haben es erlebt.“


Zum Schluß noch eine Frage: Warum siezen Sie Ihre Leser – ist das nicht einfach schrecklich altmodisch, speziell im Internet?

 

Aus Höflichkeit und Respekt. Und weil es zu mir passt.

 



 Vielen Dank für das Gespräch.

Gern – und denken Sie daran, meinen Blog zu abonnieren!