Elbphilharmonie - Führungen | Bilder aus dem Konzerthaus

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Elbphilharmonie, Führungen, Hamburg
Querschnittsgrafik Elbphilharmonie (beschriftet) © Herzog & de Meuron / bloomimages

Die Elbphilharmonie - Führungen sind der Renner: Das Konzerthaus ist der Star

 

und alle wollen sehen, wie denn nun das neue Wahrzeichen von Hamburg von innen aussieht. Die Elbphilharmonie - Führungen sind aktuell bis Juni 2017 ausgebucht, in der Sommerpause im Juli gibt es keine Konzerthausführungen, so dass erst wieder ab August eine Chance auf Elbphilharmonie - Führungen besteht (ich werde über den Vorverkaufsstart berichten). Ich empfehle den Newsletter der Elbphilharmonie zu abonnieren, um über alle Termine zu Führungen und Tickets auf dem Laufenden zu bleiben.

 

Wollen Sie erst in Ruhe die "Elphi" weiter besichtigen ? - dann einfach weiterlesen.


Ich hatte mich pünktlich (wichtig!) zum angekündigten Vorverkaufsstart für Elbphilharmonie – Führungen im Internet eingeloggt und eine Tour für Februar gebucht. Treffpunkt für die Gruppenführungen ist das neue Besucherzentrum gleich gegen- über der Elbphilharmonie. Ich betrete einen schlichten Kassenraum, dessen Wände mit Flyern und Souveniers bestückt sind und nicht zum Verweilen einlädt.

Wer erwartet, sich im Besucherzentrum vertiefend mit der spannenden Entstehungsgeschichte der Elbphil-harmonie, der Architektur oder gar der Musik als Hauptthema eines Konzerthauses beschäftigen zu können, ist hier fehl am Platze (um es vorwegzunehmen: dafür gibt es auch keinen anderen Platz in der Elbphilharmonie, dafür aber unten einen Buchtipp für Sie).

Elbphilharmonie, Besucherzentrum, Führungen, Hamburg

Eine Dame vom 7-köpfigen Team der Hausführungen empfängt uns und frischt zunächst einmal die gute alte Tradition des parlamentarischen „Hammelsprunges“ wieder auf. Auf keinen Fall dürfen mehr als 30 Personen der Gruppe angehören und so wird gleich einmal durchgezählt, ob noch Platz für einen spontanen Gast ist. Leider nein, und daran scheitert auch der Portier vom „The Westin“ wenig später, der noch zwei Hausgäste einschleusen möchte – selbst für Gäste des Luxushotels geht offenbar nichts mehr.

Elbphilharmonie, Tube, Führungen, Hamburg

 

Wir passieren auch die nächste Kontrolle erfolgreich an der Vereinzelungsanlage am Eingang zur Elbphilharmonie und fahren mit der Tube („längste Rolltreppe Westeu- ropas“) durch den alten Kaispeicher A nach oben. Auf der Plaza erhalten wir ein paar Informationen zum Gebäude („Plaza ist größer als der Hamburger Rathausmarkt“) und steigen nach einer weiteren Ticketkontrolle die hellen Holzstufen zum Kleinen Saal empor.

 


Elbphilharmonie, Kleiner Saal, Führungen, Hamburg
Elbphilharmonie, Kleiner Saal, Führungen, Hamburg

 

 

Wir haben Glück, denn „normalerweise“ gehört die Besichtigung des Kleinen Saales gar nicht zum Rundgang, aber die Bühnenarbeiter machen gerade eine Pause und so können wir uns kurz in dem holzvertäfelten Saal umsehen. Bis zu 550 Personen kann dieser nach dem „Schuhschachtelprinzip“ gebaute Veranstaltungssaal aufnehmen, dessen Tribünen flexibel an die Nutzung anpassbar sind

und auch eine komplett ebenerdige Fläche ermöglichen

 

„wenn Sie mal eine größere Familienfeier planen“.

 

Das bringt mich im nachhinein auf die größenwahnsinnige Idee, hier doch mal meine Antarktis-Multivisionsshow vorzuführen – eine 9 x 4,8 m Leinwand (richtig groß!) kann mit einem 18.000 ANSI Lumen-Beamer (richtig hell!) bespielt werden - für eine Grundmiete ab 1.600 Euro – nun ja, Träumen ist erlaubt :)


Weiter geht es hinüber in das Treppenhaus und die Foyers zum Großen Saal. Wir passieren die längste „Bar Hamburgs“ (Greve-Foyer), an der es sonntags nach dem Philharmonischen Konzert leider keinen Kaffee zur Nachbetrachtung gibt. Tja, und wenn wir Glück haben, können wir dem Organisten kurz bei der Probe zuhören, „oder auch nicht“.

 

Elbphilharmonie, Michel, Führungen, Hamburg

Die Elbphilharmonie - Führungen sind generell abhängig vom Probenplan und daher nicht so ohne weiteres an die große Nachfrage anzupassen. Wir erhaschen den einen oder anderen Blick auf die imposante Hamburger (Kirchen-)Skyline und betreten dann endlich den großen Saal fast am höchsten Punkt im Bereich S.


Elbphilharmonie, Großer Saal, Führungen, Hamburg

Von hier oben im Großen Saal blickt man aus rund 30 Metern Entfernung auf das Spielfeld, pardon Podium, wie aus dem Oberrang eines Stadions. Bei diesem atemberaubenden Blick in die Tiefe verwundert es nicht, dass die Elbphilharmonie von den Schweizern Herzog und de Meuron entworfen wurde. Das Architekturbüro plante die Münchner Allianz-Arena und das Olympiastadion („Vogelnest“) in Peking und wurde 1995 durch den Zuschlag für die „Tate Modern“ in London weltbekannt (die Baseler Architekten haben 2016 auch den Wettbewerb für den wichtigsten Kulturneubau in Deutschland, das Kulturforum in Berlin mit dem Museum der Moderne, gewonnen). Auch der Große Saal in der Elbphilharmonie soll den Zuschauer nahe an das Geschehen heranbringen. Wie in einem Stadion ist das Konzertpodium weit in die Mitte gerückt und wird von den steil aufragenden Tribünen umfasst. Aufgrund der begrenzten Grundfläche auf dem Kaispeicher A und den Raumanforderungen für das Hotel und die Appartements ist der Durchmesser des Großen Saales mit 30 - 50 m eher klein – dafür ragt der Innenraum 25 m in die Höhe.

Wir hören der Probe vielleicht fünf Minuten zu und damit ist dann leider auch schon unser Einblick in den Großen Saal beendet. Auf den angebotenen Konzerthausführungen wird der Vorhang nur einmal ganz kurz gelüftet und man kann den Saal nicht mit etwas Ruhe aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Somit können wir auch nicht durch den „Weinberg“ spazieren - man nennt den Großen Saal hier lieber „Weinberg“ als „Konzertstadion“ -, denn das schöne an diesem Saal ist, dass man von ganz oben nach ganz unten über die Seitenwege hinabgehen kann und – jetzt wird es lyrisch - sich dem dahinströmenden Fluß, hier natürlich dem Konzertpodium, am Fuße des Weinbergs nähert.


Wir erhalten anschließend nur ein paar knappe Infos zum Saal („2.100 Sitzplätze“,

„wo sie auch sitzen, alle hören gleich gut“).

Ob das mit dem „gleich gut hören“ so stimmt, erörtere ich ausführlich in

meinem Erfahrungsbericht „Elbphilharmonie | Wie gut ist die Akustik wirklich?“.


Vertiefende Fragen können von der Führerin leider nicht so leicht beantwortet werden („wie ist der Spieltisch auf der Bühne mit der Orgel verbunden?“), aber die Besucher bewegt nach dem anstrengenden Aufstieg über die zahlreichen Treppen auch mehr die Frage, ob denn auch genügend Fahrstühle zur Verfügung stehen.

Elbphilharmonie, Großer Saal, Führungen, Hamburg

Dann folgt von unserer Begleitung noch ein wichtiger Hinweis:

„Man muss sich im Großen Saal und im Gebäude wie im Wald bewegen und stets einen Blick auf das Wurzelwerk haben“.

Tatsächlich sind die oft schräg verlaufenden Treppen und insbesondere die Aussparungen beim Übergang der Treppen in die Sitzreihen nicht ungefährlich. Viele ältere Gäste (ja nicht so selten in einem Konzerthaus) hadern mit den steilen Zugängen, teilweise ohne Geländer, zu den Sitzreihen.


 Wir fahren mit dem Fahrstuhl zurück auf die Plaza und werden nach einer Stunde verabschiedet.

Elbphilharmonie - führungen: pro und contra

PRO

Elbphilharmonie - Führungen lohnen für alle Interessierten an der Elbphilharmonie, die kein Konzert besuchen wollen oder ganz einfach (noch) keine Karten ergattern konnten. Eine Führung stillt ein wenig die erste Neugier und bietet Ihnen die Chance, den Großen Saal und die Foyers unbevölkert auf sich wirken zu lassen. Zudem ist der Zugang zur Plaza – ab Freitag nachmittag und am Wochenende muss man mit Wartezeiten rechnen, sofern man keine kostenpflichtigen, zeitgebundenen Zugangskarten im Internet vorab gekauft hat – gleich eingeschlossen.

Elbphilharmonie, Großer Saal, Führungen, Hamburg

CONTRA

Ich emfand die Führung – auch im Vergleich zu den Angeboten in anderen Konzert- und Opernhäusern - sehr enttäuschend: Der Informationsgehalt ist sehr gering und geht kaum über die schmalen Imagebroschüren hinaus, da bietet die Internetseite der Elbphilharmonie zum Glück schon etwas mehr. Beispielsweise erfährt man so gut wie nichts über die wechselhafte Baugeschichte des 865 Mio Euro teuren Projektes oder die akustischen Besonderheiten des „Weinberg-Prinzips“. Auch über das künstlerische Konzept des Konzerthauses (zum Beispiel mit dem ambitionierten Kinder- und Jugendprogramm) erfährt man fast nichts (außer, daß „alle Kinder aus Hamburg einmal in der „Elphi“ gewesen sein sollen“). Zudem kein Blick hinter die Kulissen, in das Kaistudio oder auf die große Musikinstrumentensammlung. Klar, nicht alles ist in einer Führung darstellbar, aber etwas mehr Substanz, Tiefe und Inhalt sind unbedingt wünschenswert. Die Führung wirkte auf mich eher leidenschaftslos – mal eben schnell die Besucher durchschleusen. Dafür lohnt es nicht, pünktlich den Vorverkaufstermin für die Elbphilharmonie - Führungen abzupassen und den Besuch monatelang im voraus genau zu planen.


mein persönlicher tipp für sie: konzert statt führung

Sparen Sie lieber die beachtlichen 13 Euro für ein Ticket zur Elbphilharmonie - Führung und investieren Sie das Geld besser in ein Konzertticket. Nutzen Sie meine "7 Tipps zur Konzertauswahl", um sich "Ihr" Konzert auszuwählen. Zum Beispiel für das hervorragende Philharmonische Orchester unter der Leitung von Kent Nagano oder das NDR-Elbphilharmonie Orchester mit Thomas Hengelbrock, für die es ab Juni 2017 wieder Tickets zu sehr annehmbaren Preisen geben wird.

Wo Sie in der Elbphilharmonie am besten hören und welche Plätze Sie unbedingt meiden sollten beschreibe ich in meinem Beitrag "Elbphilharmonie | Richtige Sitzplätze auswählen"


Seien Sie zwei Stunden vor Konzertbeginn im Haus, wandern Sie durch den Konzertsaal von oben den Weinberg hinab, bewundern Sie die Architektur und stimmen sich mit der kostenlosen Konzerteinführung bei freier Platzwahl im Großen Saal ein (meist eine Stunde vor Konzertbeginn; bitte genau im Programm nachschauen!).

Wichtig! Nach der Unruhe durch nur an der Besichtigung interessierte Besucher werden Sie jetzt nur noch bis höchstens fünf Minuten nach Beginn der Konzerteinführung eingelassen – was sehr nachvollziehbar ist. Anschließend haben Sie noch Zeit genug, um sich weiter im Großen Saal umzuschauen, die Orgel aus der Nähe zu bewundern und dann dem Konzert zu lauschen.


"Die Akustik ist nicht ganz einfach, aber die Elbphilharmonie ist ein Wunderwerk", sagt Thomas Hengelbrock, der Chef des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Sie sollten die Macken der "Elphi" kennen, bevor Sie Ihre Tickets ordern.


Zur Nachbetrachtung Ihres Konzertbesuches bietet sich die „Störtebeker Bar“ in der Elbphilharmonie oder ein Lokal in der Hafencity an. Im Sommer können Sie auf den Stufen am Elbufer das Konzert besonders schön nachklingen lassen.

mein buchtipp für sie

"Elbphilharmonie" von Joachim Mischke (Fotos von Michael Zapf), Edel-Verlag (Euro 29,95)

Der umfangreiche und informative Bildband beginnt mit dem visionären Paar Alexander Gérard und Jana Marko, die die Idee für die Elbphilharmonie hatten (wo sind Sie nur geblieben? - nirgends erwähnt im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten). Die Autoren erzählen über das Desaster während der Bauphase mit den astronomischen Kostensteigerungen. Sie stellen dem Leser das neue Konzerthaus in allen Bereichen detailliert vor und lassen auch die Hamburger Musikgeschichte nicht zu kurz kommen. Ein fundiertes Nachschlagewerk mit vielen schönen Fotos - von der Bauphase bis zur Fertigstellung.

Dieser Bericht entstand nach einem Konzertbesuch (6. Philharmonisches Konzert mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg) und einer Konzerthausführung im Februar 2017.

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