Osterinsel - der Nabel der Welt

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Zu den Helden meiner Jugend zählten Amundsen, Hedin und Heyerdahl. In Thor Heyerdahl´s Reisebericht "Kon-Tiki - Ein Floß treibt über den Pazifik" erfuhr ich erstmals etwas über die sagenhaften Riesenstatuen auf der Osterinsel. Genauso wenig, wie ich mir damals eine Reise mit dem Segelschiff in die Antarktis vorstellen konnte, hatte ich davon geträumt, einst selbst den Moai auf der Osterinsel gegenüberzustehen.

Auf über 350 an der Küste entlang gereihten Ahu (Zeremonial- und Begräbnisstätten) standen Hunderte von tonnenschweren Moai auf der Osterinsel.

Als einziger Europäer hat 1722 Jacob Roggeveen die Statuen, die nahezu alle auf das Inselinnere blicken, noch stehend gesehen.

James Cook entdeckte 1772 noch einige stehende Moai, die ihren Kopfschmuck trugen. 1804 sollen nur noch etwa 20 Moai gestanden haben. Alle heute stehend zu bestaunenden Moai wurden im letzten Jahrhundert auf der Osterinsel restauriert und wieder aufgestellt. Die Hintergründe für das offenbar systematische Umstürzen der Statuen - abgeleitet daraus, dass nahezu alle Moai landeinwärts auf dem Gesicht liegen, was nicht nur auf Erdbeben, Vulkanausbrüche o.ä. als Ursache schließen läßt - bleiben wie so vieles auf

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der Osterinsel mystisch im Ungewissen. Von Sklaverei, eingeschleppten Seuchen und Zwangsumsiedlungen wissen wir dagegen mehr; hierüber und über die vielen Theorien und Legenden können Sie viel Wissenswertes auf der Webseite osterinsel.de nachlesen. Folgen Sie mir zur Geburtsstätte der Riesen im "Rano Raraku", zum beeindruckenden Ahu Tongariki mit seinen fünfzehn Moai und nach "Orongo" zum Zentrum des Vogelmann-Kultes.


Osterinsel - landen wie die nasa

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Auf unserer Reise folgten wir den Spuren von Thor Heyerdahl, die im "Kon-Tiki"-Museum in Oslo gut nachzuverfolgen sind. Sechs Stunden Flug von Santiago de Chile über den unfaßbar großen Pazifik, stundenlang nur das Meer und die Wolken unter uns. Auf den Monitoren der Boeing verlief die Flugroute durch tiefes Blau oder zeigte an den Rändern die Umrisse von Australien.

 

Kein bewohnter Ort liegt einsamer als die Osterinsel.

 

Wir landeten auf dem kleinen Provinzflughafen von Hanga Roa, dessen Landebahn einst als Notfallpiste für die Space-Shuttle-Flüge von der NASA großzügig ausgebaut wurde. Wir liefen von der Gangway zu dem niedrigen Abfertigungsgebäude und wurden stilecht mit Blumenkränzen begrüßt.


Am Nachmittag spazierten wir von unserem motel-ähnlichen Hotel etwas außerhalb in den Hauptort der Osterinsel - vorbei an kleinen Holzhäusern, farbenfroh und einfach gebaut. Zahlreiche touristische Angebote, aber kein Firlefanz. Etliche Restaurants, Mini-Mercados mit schmaler Produktpalette für Lebensmittel, Haushaltswaren oder Kleidung entlang der holprigen Bürgersteige. Im kleinen Hafen lagen bunte Holzboote mit Außenbordmotoren, die sowohl den Fischern als auch dem Tauchveranstalter dienten.

Wir entschieden uns für eine Mahlzeit direkt am Meer. Vor uns ein 16 : 9 - Panoramablick auf die tosende Brandung. Die Wellen liefen in unregelmäßigem Rhythmus mit unerschiedlicher Stärke heran. Alle paar Minuten rollten auf die vorgelagerten Felsen besonders hohen Wellen zu, deren Kämme brachen und das Tosen noch verstärkten. Lange sahen wir einfach nur zu, bestaunten die Surfer in den meterhohen Wellen und konnten den Blick von diesem "Spielfilm" nicht abwenden.


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Auf dem gegenüber dem Hafen liegenden Fußballplatz fand das Insel-Endspiel statt. Der Pokal hielt ohne weiteres den Vergleich mit der Champions League-Trophy statt. Auf einem wiesengleichen Boden wurde robust gekämpft und das 1:0 (auch am anderen Ende der Welt helfen Standardsituationen!) von den eigenen Fans auf der schmalen Steintribüne umjubelt. Nur der Moai im Hintergrund blickte ungerührt wie seit Jahrhunderten auf das Geschehen.

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osterinsel - der sehende moai

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Wir wanderten von Hanga Roa weiter die Küste entlang zu den ersten großen Moai-Figuren, die starr und dennoch würdevoll ins Land schauten. Auf der Zeremonialplattform Ko Te Riku steht der einzige Moai auf der Insel, der Augen besitzt. Vermutlich schon vor der Ankunft des Namengebers der Osterinseln, Jacob Roggeveen in 1722, waren die Augen der Moai in Folge eines Bürgerkrieges zwischen den Lang- und Kurzohren verloren gegangen. Im Verlauf von Ausgrabungen am Ahu Nau Nau entdeckten Wissenschaftler 1979, dass

 

die Moai nicht "blind" waren, sondern Augen aus Korallen und Steinen besaßen.

 

Selbst Thor Heyerdahl hatte dies bei seinen Erkundungen übersehen.

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Bergauf führte uns der Weg zum Rano Raraku, dem Bauplatz der steinernen Riesen. Schon von weitem sieht man die Köpfe aus dem Hang in die Ferne blicken, die zu den nicht fertiggestellten oder nicht abtransportierten Statuen gehörten. Viele Figuren sind bis zum Hals eingegraben, weil im Laufe der Zeit der Hang durch Erosion abgerutscht ist. Auf dem Weg hinauf hatten wir Blickkontakt mit diesen Köpfen und begegneten dem einzigen knieenden Moai. Der Gesichtsausdruck der Moai ist stoisch, zeigt naive Züge und dennoch

 

strahlen die Figuren eine große Würde      und Erhabenheit aus.

 

Man wäre nicht überrascht, wenn die Moai einst zum Leben erweckt würden, was der Legende nach auch geschehen wird. Bis heute begrüßt mich nach dem Hochfahren meines PC ein Moai mit beruhigendem Blick.

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Etwas oberhalb von uns lag, halb aus dem Fels gehauen,

 

der größte jemals begonnene Moai mit 21 m Länge - ein Gigant von fast sieben Stockwerken.

 

Die Statuen wurden seinerzeit nur mit schweren Steinkeilen in horizonaler Position aus dem Vulkangestein herausgemeißelt, also praktizierte Steinzeit bis ins 19. Jahrhundert. Der Rücken blieb so lange mit dem Gestein verbunden, bis Körper, Kopf und Gesicht weitgehend Gestalt angenommen hatten. Dann wurde die Statue vom Untergrund abgelöst und den Hang hinunter befördert. Völlig unklar ist bis heute, wie es die Rapa Nui fertig brachten, die tonnenschweren Statuen den steilen Abhang unversehrt hinunterzuschaffen. Schätzungen gehen von 1.000 Mann aus, die hierfür benötigt wurden.

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Am Fuß des Rano Raraku brachten die Arbeiter die Moai in eine aufrechte Position und die Bildhauer machten sich an die Feinarbeiten. Als Meißel dienten toki (einfache Werkzeuge aus Basalt), die einst zu Tausenden in den Steinbrüchen herumlagen. Den fertigen Moai bugsierten die Inselbewohner zum vorgesehenen Ahu (vermutlich aufrecht: der Moai wurde zu allen Seiten mit Seilen fixiert,

dann kontrolliert ins Schwanken gebracht und so vorwärts "gewippt"; in der Legende heißt es, die Moai seien selbst zu den Ahu gegangen) und stellten ihn aufrecht auf die Plattform. Insgesamt schafften sie etwa 300 Moai zu den Ahu, manche ließen sie jedoch an den alten Straßen der Insel einfach liegen. Nach der neuesten GPS-Schätzung liegen weit über 1.000 Statuen auf der Osterinsel verstreut.


Osterinsel - Die Restauration des Ahu Tongariki

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Das schwerste Erdbeben des vergangenen Jahrhunderts vor der chilenischen Küste hatte am 22. Mai 1960 die Küstenlinie um einige Meter absacken lassen und dabei einen Tsunami erzeugt, der durch den Pazifik rollte und nach einigen Stunden die Osterinsel erreichte. In der kleinen Bucht Hanga Nui vor dem Ahu Tongariki baute sich eine Flutwelle von rund sechs Metern Höhe auf.

 

Die 15 Moai auf der Plattform wurden von den Wassermassen mehr als einen halben Kilometer weit in das Inselinnere gespült.

Die Restauration des Ahu Tongariki ist eine schöne Geschichte von glücklichen Zufällen im Leben. Sergio A. Rapu, Direktor des Museums auf der Osterinsel und Gouverneur, war auf dem Sprung, seine neue Stelle an der Universität von Berkeley anzutreten. Bei seinen letzten Amtshandlungen führte er ein japanisches Filmteam über die Insel und natürlich auch zum Ahu Tongariki. Eine japanische TV-Journalistin bat ihn, doch eine Minute zu den Zuschauern in Japan zu sprechen. Normalerweise sprach er dann von der Schönheit der Insel und den beeindruckenden

Moais, aber dieses Mal erzählte er spontan davon, diesen Ahu wieder aufrichten zu wollen, sofern er genügend Geld und Material hätte. Nur zwei Tage nach der Ausstrahlung der Sendung rief ihn der Chef der japanischen Kranbaufirma Tadano (Geschichte der Restaurierung) an und bot ihm an, eine Million Dollar für den Wiederaufbau des Ahu Tongariki bereitzustellen. Anhand von alten Zeichnungen und Fotografien wurde die Kultstätte Ahu Tongariki zwischen 1992 und 1995 wieder hergestellt. Für mich ist dies der eindruckvollste Ort auf der Osterinsel.


osterinsel - rano kau und orongo (vogelmannkult)

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Der Bus rumpelte die Sandpiste zum Rano Kau hinauf, vorbei an umherziehenden Pferden (auf 5.000 Einwohner kommen 6.000 Pferde, von denen nur 10% beritten und der Rest schon fast eine Plage sind). Der Blick in den Kratersee des erloschenen Vulkans ist faszinierend. Schwimmende Puzzlestücke von Totora-Schilf

 

- angeblich dasselbe Schilf wie im Titicacasee, was Thor Heyerdahl zu dem Schluß brachte, Inkas hätten als erste Rapa Nui erreicht; heute wissen wir aus DNA-Tests, dass die Ureinwohner von Polynesiern abstammen -

 

in spiegelndem Wasser und lindgrüne Flechten an den Kraterwänden. Im Hintergrund gibt eine Öffnung in der Kraterwand - die rückwärtig 400m steil zum Meer hin abfällt - den Blick auf den tiefblauen Pazifik vor einem hellblauen Himmel frei.

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Die Kultstätte Orongo ist das Zentrum des Vogelmann-Kultes. Hier stürzten sich bis 1867 junge Männer für ihren Häuptling in Erwartung einer Jungfrau als Gewinn die steilen, wohl 500 m tiefen Klippen hinab, schwammen gelegentlich von Haien bedroht auf die vorgelagerten Inselchen und kämpften um das erste Ei der Russseeschwalbe. Dieses in einem Stirnband hoffentlich sicher verwahrt, paddelten sie auf Schwimmbrettern zurück und hasteten die steile Vulkanwand wieder hinauf.

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Osterinsel - hektik? fehlanzeige!

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Die Osterinsel und ihr Hauptdorf Rapa Nui sind eine lässige, entspannte Welt. Tagsüber verrät der Sonnenstand keine Uhrzeit und die scheint auch nicht wichtig. Stets sind Surfer in den Wellen auf ihren boards unterwegs. Ein Pick-up bringt den Markt vor die Tür, der Fisch kommt frisch aus dem Meer; die Fischer fuhren heute alle hinaus, weil es seltenen Thun vor der Küste geben sollte, den die Japaner wohl übersehen hatten.

Insgesamt gibt es kaum Zerstreuung (drei Mal in der Woche wird der Spielfilm "Rapa Nui" mit Kevin Costner gezeigt - wirklich nur etwas für Hardcore-Fans oder Reisende auf die Osterinsel).

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Wer hier lebt - oder Urlaub macht - darf nicht auf Abwechslung, Konsum oder kulturelle Unterhaltung erpicht sein. Dennoch bietet das 1. Musikfestival der Osterinsel, dessen Bühne auf einem LKW-Anhänger platziert wurde, einige Abwechslung. Junge Mädchen führten einheimische Tänze vor, an Ständen gab es lokales Kunsthandwerk zu kaufen.

Ansonsten sind neugierig um die Fischerboote im Hafenbecken schwimmende Meeresschildkröten ein kleines Ereignis.

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Einfache Holzhäuser dominieren die Siedlung, lediglich chilenische Militärangehörige bewohnen bessere Bungalows. Streunende Hunde bestimmen das Straßengeschehen.

Wir genossen unseren Schlußtag im "Mikafé" am Hafen bei sehr leckerem Bananenkuchen mit Sirup, selbst gemachtem Eis und gutem Kaffee.


Wir sind gespannt, ob sich dieser Ort so rasch wie der Rest der Welt verändern wird.

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te pito kura - Der Nabel der Welt

Dieser Reisebericht entstand nach einer Reise im November 2011.

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